Schawuot – Das Wochenfest

6. Sivan

 

Was feiern wir an Schawuot?

 

Schawuot ist das letzte der Frühlingsfeste und dazu noch ein sehr wichtiges. Zusammen mit Pessach und Sukkot gehört es zu den drei bedeutensten Festen der Bibel. Zu diesen Festen mussten alle Israeliten beim Tempel erscheinen und ihre Opfergaben bringen. Alle drei Feste sind landwirtschaftliche Feste. An ihnen wurden jeweils die ersten Ernten dargebracht. Im Frühjahr am Fest der Erstlingsfrüchte, welches am ersten Tag nach dem Shabbat in der Woche des Festes der ungesäuerten Brote stattfindet, wird die erste Ernte der Hirse zum Tempel gebracht. An Schawout die erste Ernte des Weizens und an Sukkot schliesslich die erste Ernte der Herbstfrüchte.

 

Im Christentum ist Schawuot bekannt als Pfingsten. Bei Schawuot handelt es sich nun also ursprünglich um das Fest der ersten Ernte des Weizens. Aber seine Bedeutung ist noch viel grösser!

 

Nach dem Auszug der Israeliten aus Ägypten am 15. Nissan (Pessach) durchwanderten sie das Schilfmeer und kamen nach genau sieben Wochen zum Berg Sinai. An diesem Berg sprach G-tt die zehn Worte (zehn Gebote) zum ganzen Volk Israel. Jene zehn Gebote, welche G-tt selbst später auf steinerne Tafeln schrieb und Mose mitgabe. Dies ist geschah exakt sieben Wochen und einen Tag (insgesamt 50 Tage) nach dem Fest der Erstlingsfrüchte (daher auch der Nahme Pfingsten, welcher aus dem Griechischen kommt und für 50ig steht). Schawuot ist somit das Fest, bei welchem G-tt dem Volk Israel sein Gesetz gab, der Tag, an welchem G-tt mit seinem Volk den Bund schloss. Diesem Bund stimmte Israel am Berg Sinai zu. Ein sehr bedeutender Tag.

 

Diesem Zeitraum von 50 Tagen nach dem Fest der Erstlingsfrüchte wird durch die von G-tt gebotene Omer-Zählung gedacht. Um zu wissen, wann Schawuot stattfindet gebot G-tt den Israeliten vom Tag der Erstlingsfrüchte genau 50 Tage zu zählen.

 

Schawuot ist nun also das Fest der ersten Weizenernte und das Fest der Gesetzgebung und der Bundesschliessung mit dem Volk Israel. Aber seine Bedeutung ist noch immer grösser!

 

Am 14. Nissan im Jahr 30 gab Jeschua als vollkommenes und ewig gültiges Pessach- Lamm sein Leben hin und erfüllte damit dieses Fest. In diesem Jahr viel der 14. Nissan auf einen Mittwoch. Jeschua starb am Mittwoch. Er befand sich den ganzen Donnerstag, Freitag und den Shabbat im Grab. Als der Shabbat sich zu Ende neigte auferstand er von den Toten, exakt am Tag des Festes der Erstlingsfrüchte. Damit erfüllte Jeschua nicht nur das Pessach-Opfer sondern auch das Fest der Erstlingsfrüchte, denn er war der Erste, der von den Toten zum ewigen Leben auferstand. Er erschien den Jüngern nun während mehreren Wochen. Als er schliesslich zum Vater in den Himmel aufstieg, versprach er seinen Jüngern den Beistand zu schicken, den heiligen Geist. Dieser heilige Geist kam an Schawuot über die Jünger. Damit war der neue Bund, für welchen Jeschua sein Blut vergossen hatte, besiegelt. Die Israeliten in der Wüste erhielten an Schawuot die Tora, in Stein gemeisselt. Die Jünger Jeschuas bekamen an Schawuot durch den heiligen Gesit die Tora, in ihr Herz geschrieben, wie es Jesaja 42.42 prophetzeit hatte.

 

Zusammenfassend ist Schawuot das Fest der ersten Weizenernte. Es ist auch das Fest der Gesetzgebung am Berg Sinai und ebenfalls das Fest des heiligen Geistes, welcher von diesem Zeitpunkt an in allen Gläubigen lebt.

 

Wie wird Schawuot gefeiert?

 

Es gibt kein anderes biblisches Fest, für welches es so wenige explizite Gebote gibt. Aus der Bibel entnehmen wir lediglich, welche Opfer zur Zeit des Tempels an Schawuot auf welche Art und Weise erbracht werden müssen und, dass es ein heiliger Tag ist, ein Shabbat, ein Tag der Ruhe und Versammlung.

 

Und ihr sollt für euch zählen von dem Tag nach dem Sabbat, von dem Tag, an dem ihr die Garbe fürs Schwingopfer gebracht habt: Es sollen sieben volle Wochen sein. Bis zum anderen Tag nach dem siebten Sabbat sollt ihr fünfzig Tage zählen. Dann sollt ihr dem Herrn ein neues Speiseopfer darbringen (3. Mose 23.15-16)

 

Und ihr sollt an ebendiesem tag einen Ruf ergehen lassen - eine heilige Versammlung soll euch sein. Keinerlei Dienstarbeit dürft ihr tun: eine ewige Ordnung in all euren Wohnsitzen für eure Generationen (3. Mose 23.21)

 

Dennoch gibt es einige schöne jüdische Traditionen, mit welchen dieser Tag gefeiert werden kann.

 

An Schawuot werden traditionell milchige Speisen gegessen. Milchige Speise erinnert an den unmündigen Zustand eines Kleinkindes. Genau so waren auch wir, bevor wir das Gesetz G-ttes bekommen haben (Am Berg Sinai und durch den heiligen Geist). Wie Kinder wussten wir nicht, was wir tun sollen und was nicht. Erst durch die Tora offenbarte G-tt seine Weisungen für sein geliebtes, heiliges Volk. Auch sagen die Rabbiner, dass milchige Speisen gegessen werden, weil man vor der Gesetzgebung am Berg Sinai nicht wusste, welches Fleisch wirklich koscher ist und sich aus diesem Grund mit einfachen Milchspeisen begnügte.

 

In der Versammlung wird an diesem Festtag das Buch Ruth gelesen. Diese Buch spielt während der Weizenernte und ist daher passend zum Fest der ersten Weizenernte. Auch aus messianischer Sicht macht das Buch Ruth Sinn. Ruth war eine Fremde und wurde in das Volk Israel aufgenommen. Durch den heiligen Geist, welcher uns an Schawuot gegeben wurde, dürfen auch wir, genauso wie Ruth, als Fremdlinge aus den Nationen, Teil werden von Israel.

 

Es ist desweiteren üblich, dass man an Schawuot die ganze Nacht hindurch wach bleibt und die Tora studiert. Hierfür gibt es verschiedene Erklärung. Zum einen ist Schawuot einfach das Fest des Gesetzes. An diesem Fest sollen wir Freude haben am Gesetz und können diese Freude zeigen, indem wir gar nicht erst schlafen gehen, sondern die ganze Nacht darin studieren. Weiter sagen die Rabbiner, dass es an Schawuot zur Zeit der Israeliten in der Wüste die ganze Nacht hindurch geblitzt und gedonnert hatte, sodass neimand im Lager schlafen konnte. Eine andere Sage aus der mündlichen Überlieferung der rabbinischen Juden besagt, dass die Israeliten, als G-tt sie zum Berg Sinai rief, diesen ersten Ruf verschlafen hätten. Als Erinnerung daran und, damit dies nicht wieder passiert, bleiben manche rabbinische Juden an Schawuot die ganze Nacht wach.