Jom Teruah

 1. Tischri

 

Jom Teruah ist ein sehr geheimnisvolles Fest. Dieses Fest ist auch bekannt als das Posaunenfest oder das Fest des Hörnerschalls. In der Tora gebietet uns G`tt nur an zwei Stellen Jom Teruah zu halten. Und aus diesen beiden Stellen können wir nicht gerade viele Informationen entnehmen.

 

Im siebten Monat am Ersten des Monats soll euch Ruhe sein, eine Erinnerung durch Lämblasen, eine heilige Versammlung. Keinerlei Dienstarbeit dürft ihr tun, und ihr sollt JHWH ein Feueropfer darbringen. (3. Mose 23.23,24)

 

Und im siebten Monat, am Ersten des Monats, sollt ihr eine heilige Versammlung halten; keinerlei Dienstarbeit sollt ihr tun; ein Tag des Hornblasens soll es für euch sein. Und ihr sollt ein Brandopfer bereiten zum wohlgefälligen Geruch für den Herrn. (4. Mose 291,2)

 

Mehr ist in der Torah über dieses Fest nicht zu finden. Jom Teruah soll also für uns ein Ruhetag sein. Wir dürfen nicht arbeiten sondern sollen uns versammeln, ein Brandopfer bringen und vor Allem: Das Shofarblasen. Wir sollen uns an diesem Tag erinnern. Doch an was sollen wir uns erinnern?

 

Im modernen Judentum ist Jom Teruah viel besser unter dem Namen Rosch ha`Shana bekannt. Rosch ha`Shana bedeutet der Kopf des Jahres. Es handelt sich bei diesem Tag für das rabbinische Judentum um Neujahr. Dieser Tag ist der Anfang des Jahres, weil, so lehren es die Rabbiner, G`tt an diesem Tag die Welt erschaffen hätte. Interessant und für uns befremdlich ist die Argumentation der Rabbiner, warum dies so sein soll. Betrachten wir das hebräische Wort bereschit. Es bedeutet "Am Anfang" und mit diesem Wort beginnt die Schöpfungsgeschichte in der Bibel. Stellt man nun die hebräischen Buchstaben von bereschit um, so erhält man Aleph beTischrei, was bedeutet: der Erste des Tischri. Und damit ist natürlich gemeint der erste Tag des siebten Monats. Nun, für mich zeigt dies, dass auch die Rabbiner sich intensiv mit der Frage beschäftigten, was wir eigentlich an Jom Teruah feiern. Ich persönlich lehne die Deutung von Jom Teruah als Neujahrsfest aus zwei Gründen ab. Erstens gebietet uns G`tt in der Bibel, dass der 1. Abib der Anfang des Jahres sein soll. Und zweitens glaube ich ist es kein Zufall, dass die Babylonier im gleichen Zeitraum ihr Neujahrsfest feierten und die Idee von Rosch ha`Schana seinen Ursprung im babylonischen Exil hatte.

 

Aber wenn Jom Teruah nicht der Tag der Schöpfung ist, an was soll uns dieser Tag dann erinnern? Das Bild wird etwas klarer, wenn wir uns das zentralste Element dieses Festes genauer anschauen. Den Ruf des Shofars. Denn wir sollen uns ja durch den Ruf des Shofars an etwas erinnern.

 

Beim Shofar handelt es sich traditionell um das Horn eines Widders. In der Bibel wird der Widder 145 mal erwähnt, zumeist als Opfertier. Die zweite Erwähnung des Widders finden wir in der Erzählung, wie G`tt von Abraham forderte seinen einzigen Sohn Isaak zu opfern. Abraham vertraute und fürchtete G`tt. Aus Glauben richtete er alles für das Opfer her, doch im letzten Moment wurde er vom Engel des Herrn aufgehalten. Dazu lesen wir in 1. Mose 22.12-13:

 

Und er sprach: Strecke deine Hand nicht aus nach dem Jungen, und tu ihm nichts! Denn nun habe ich erkannt, dass du G`tt fürchtest, da du deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast. Und Abraham erhob seine Augen und sah; und siehe, da war ein Widder hinten im Gestrüpp an seinen Hörnern festgehalten. Da ging Abraham hin, nahm den Widder und opferte ihn anstelle seines Sohnes als Brandopfer. (1. Mose 22.12-13)

 

G`tt verschonte Isaak und Abraham opferte einen Widder anstelle von Isaak. Dieser Widder wurde von G`tt geschickt als stellvertretendes Opfer. Schon in dieser Geschichte lässt uns G`tt seinen wunderbaren Plan erkennen. Obwohl wir es eigentlich sind, die den Tod verdienen. Obwohl wir es sind, die aufgrund von unseren Sünden unser Blut vergiessen schenkt uns G`tt, wenn wir denn Glauben haben, Jeschua, seinen einzigen Sohn, als stellvertretendes Opfer für uns.


Das Widderhorn, welches so zentral ist an Jom Teruah, erinnert uns daran, wie Abraham seinen Sohn Isaak hätte opfern müssen. Es erinnert uns an das stellvertretende Opfer unseres Herrn, Jeschua ha`Mashiach, für unsere Sünden. Das alleine wäre Grund genug ein Fest zu feiern.

 

Aber das ist noch lange nicht das einzige, an was uns das Widderhorn an Jom Teruah erinnert. An Jom Teruah geht es nicht einfach nur um das Widderhorn. Es geht insbesondere um den Ruf dieses Horns. Diesen Ruf nennt man Teruah. Zum ersten Mal hörten die Israeliten Teruah am Berg Sinai:

 

Und es geschah am dritten Tag, als es Morgen wurde, da brachen Donner und Blitze los, und eine schwere Wolke lagerte auf dem Berg und ein sehr starker Hörnerschall ertönte, so dass das ganze Volk das im Lager war bebte. (2. Mose 19.16)

 

Das Shofar wurde am Berg Sinai geblasen um die Gegenwart G`ttes anzukündigen. Es war ein Zeichen seiner Herrlichkeit, seiner Macht und Seiner Gegenwart. Das ganze Volk bebte vom Klang dieses Hörnerschalls. Der Ruf des Shofars erinnert uns an die Herrlichkeit, die Macht und die Gegenwart G`ttes. Wir finden diese Deutung auch im Psalm 47:

 

Denn der HERR, der Allerhöchste, ist heilig, ein grosser König über die ganze Erde. Er beugt die Völker unter uns und Völkerschaften unter unsere Füsse. Er erwählt uns unseren Erbteil, die Herrlichkeit Jakobs, den er liebt hat. G`tt fährt auf unter Jauchzen, der HERR beim Hall der Posaune. Lobsinget, lobsinget G`tt, lobsinget, lobsinget unserem König! (Psalm 47.3-7)

 

 

Jom Teruah ­– Prophetische Bedeutung

 

Während Jeschua die, den Frühjahrsfesten zugrunde liegende Prophetie bei seinem ersten Kommen bereits erfüllte, erwarten wir die Erfüllung der Herbstfeste bei seinem zweiten Kommen. Und das Erste dieser Feste ist Jom Teruah. Der grosse Tag des Posaunenschalls.

 

Der letzte Ruf des Shofars, welcher am Jom Teruah erschallt, ist kein Ruf der Busse und Umkehr mehr. Sondern es ist der Ruf, welcher auf die Zeit der Busse und Umkehr folgt. Dieser Ruf kündigt die Ankunft des Herrn an. Jeschua selbst bezeugt dies in Matthäus 24, 30-31:

 

(...) und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit grosser Macht und Herrlichkeit. Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende (Matthäus 24, 30-31)

 

In der Bibel lesen wir an einigen weiteren Stellen, dass die Wiederkunft Jeschuas begleitet werden wird von einem mächtigen Ruf des Shofars. Durch die häufige, starke Betonung dieses mächtigen Posaunenschalls bei der Widerkunft Jeschuas können wir, die wir die Offenbarung des Neuen Bundes erhalten haben, die prophetische Bedeutung von Jom Teruah erkennen. Auch in der Offenbarung lesen wir von dem Posaunenschall bei Jeschuas Widerkunft:

 

Und der siebente Engel posaunte; und es geschahen laute Stimmen im Himmel, die sprachen: Das Reich der Welt ist unseres Herrn und seines Christus geworden, und er wird herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit. (...) Wir danken dir, Herr, G`tt, Allmächtiger, der ist und der war, dass du deine grosse Macht ergriffen und deine Herrschaft angetreten hast. (Offenbarung 11.15,17)

 

Mit der siebten Posaune, welche vermutlich an Jom Teruah erschallen wird, tritt der Jeschua seine Herrschaft an. Es gibt in der jüdischen Tradition noch einige weitere Namen für Jom Teruah und ausser Rosch ha`Shana sind alle diese Namen sehr treffend für diesen Tag. Ein weiterer Name für den Tag Jom Teruah ist Jom haMelech. Der Tag des Königs. Denn bei der Krönung eines neuen Königs in Israel wurde immer auch das Shofar geblasen. Und wenn Jeschua wiederkommen wird, wird er als König wiederkommen, genau wie es in der Offenbarung beschrieben wird, und alle Völker werden sich vor ihm beugen.

 

Nach Jom Teruah werden wir, die wir durch das Blut Jeschuas gerechtfertigt wurden und Kinder G`ttes heissen dürfen, für immer beim Herrn sein. Doch für alle, die sich nicht zu Jeschua bekehrt haben, die nicht Busse getan haben in der Zeit vor Jom Teruah, in der Zeit der Busse, für sie wird eine furchtbare Zeit anbrechen sein. Wir wissen nicht genau ob diese Zeit bereits mit Jom Teruah anbrechen wird oder erst zehn Tage später mit Jom Kippur. Hierzu gibt es zahlreiche unterschiedliche Auslegungen und ich denke wir dürfen uns nicht anmassen alle Details zu wissen. Aber das Shofar an Jom Teruah markiert den Beginn. Eine Beschreibung dieser anbrechenden furchtbaren Ereignisse finden wir im Buch des Propheten Joel. Und diese Beschreibung beginnt treffenderweise mit dem Ruf des Shofars:

 

Blast das Horn auf Zion und erhebt das Kriegsgeschrei auf meinem heiligen Berg! Beben sollen alle Bewohner des Landes! Denn es kommt der Tag des HERRN, ja er ist nahe; ein tag der Finsternis und der Dunkelheit, ein Tag des Gewölks und des Wetterdunkels. Wie Morgengrauen ist es ausgebreitet über die Berge, ein grosses und mächtiges Volk, wie es von Ewigkeit her nie gewesen ist und nach ihm nie mehr sein wird bis in die Jahre der Generationen und Generationen (...) Und der Herr lässt vor seiner Heeresmacht her seine Stimme erschallen, denn sein Heerlager ist sehr gross, denn der Vollstrecker seines Wortes ist mächtig. Denn gross ist der Tag des HERRN und sehr furchtbar. Und wer kann es ertragen? (Joel 2.1-2,11)

 

Dieser Tag des Herrn wird furchtbar sein. Jeschua ist der Vollstrecker des Wortes. Er wird die Menschen nach dem Wort richten. Und der Prophet Joel fragt sich mit Recht, wer könnte dieses Gericht ertragen? Kein Mensch könnte jemals diesem Gericht standhalten, ausser, er wurde durch das Blut Jeschuas aus der Sklaverei der Sünde freigekauft.

 

Schliesslich wird Jom Teruah auch Jom haKeseh genannt. Das bedeutet der verborgene Tag. Denn niemand weiss, wann Jeschua wiederkommen wird. Wir vermuten zwar, dass es an Jom Teruah sein wird, da Jeschua auch die Frühjahrsfeste immer an den Tagen erfüllte, an welchen man sie auch feierte. Dennoch ist und bleibt der Tag des Herrn ein verborgener Tag, wie Jeschua selbst bezeugt:

 

Von jenem Tag aber und jener Stunde weiss niemand, auch nicht die Engel in den Himmeln, auch nicht der Sohn, sondern der Vater allein. (Matthäus 24.36)

 

Für uns, die wir im Glauben an Jeschua ha`Mashiach ausharren und jederzeit bereit sind, wird der Tag des Herrn kein schrecklicher Tag sein. Im Gegenteil es ist der lang ersehnte Tag. Und deswegen treffen wir uns heute um zu feiern. Wir feiern die Wiederkunft des Herrn. Von diesem Tag lesen wir auch im 1. Thessalonicher 4.16:

 

Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei dem Schall der Posaune G`ttes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in die Wolken dem Herrn entgegen in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein (1. Thessalonicher 4.16)

 

Jom Teruah ist der Tag, an welchem wir alle gesammelt werden um unserem Herrn Jeschua ha`Mashiach zu begegnen, für immer bei ihm zu sein und mit ihm zu herrschen. Was könnte ein besserer Grund sein um zu feiern?

 

 

Wie halten wir Jom Teruah?

 

Dieses Fest wurde über Jahrtausende entweder nicht gefeiert oder nur als Rosch ha`Shana gefeiert. Aufgrund der falschen Deutung dieses Festes im rabbinischen Judentums können wir uns in den Formen, mit welchen wir diesen Tag begehen, leider nicht an der jüdischen Tradition orientieren. Rosch ha`Shana ist ein heidnisches Fest, welches seine Wurzeln im babylonischen Neujahrsfest hat. Was für Christen Weihnachten oder Ostern ist, ist für rabbinische Juden Rosch ha`Shana.

 

Aus diesem Grund müssen wir uns völlig neu überlegen, wie wir diesen Tag feiern sollen. Doch es ist ein solch wunderbarer Feiertag, dass es uns bestimmt nicht an Kreativität mangeln wird.